Fidget Spinner Warnung – nicht empfohlen

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Als Eltern und Großeltern können Sie den Begriff Fidget Spinner wahrscheinlich nicht mehr hören. Dann geht es Ihnen so wie mir – denn alle Kinder wollen so einen Fingerkreisel. Die Rede ist von DEM Hype schlechthin, dem bunten Handkreisel, der zwischen Daumen und Zeigefinger gelegt und dann mit kräftigem Schwung zum Rotieren gebracht wird. Je nach Ausführung kostet ein Fidget Spinner, der beispielsweise auch unter dem Namen Finger Twister angeboten wird, zwischen ca. 3 und 50 Euro. Der Tri Bar Spinner ist das gebräuchlichste Modell, jedoch sind Fidget Spinner auch in anderen Formen sowie in verschiedenen Materialien erhältlich. Angeboten werden die Hand- bzw. Fingerkreisel aus Kunststoff, Metall und Holz.

Fidget Spinner
Fidget Spinner aus Kunststoff: Nach kurzer Bespieldauer brach der Mittelsteg beider Handkreisel

Warnung: Sind Fidget Spinner gefährlich?

An sich klingt der Fidget Spinner nach einem netten kleinen Gadget für Kids, Jugendliche und hyperaktive Erwachsene. Denn tatsächlich sollen die gehypten Handkreisel in den USA schon seit vielen Jahren zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Angeblich sollen Fidget Spinner bei ADHS und Autismus eine positive, beruhigende Wirkung haben. Möglich, denn was bei normaler Hirnaktivität anregend wirkt, kann bei besonders aufgedrehten Gehirnen beruhigend wirken oder aus der fokussierenden Stille des Autismus entlocken.

Fidget Spinner beruhigend
Fidget Spinner sollen bei ADHS und Autismus therapeutischen Zwecken dienen

Dennoch gibt es vielzählige Warnungen. Die erste Warnung vor Fidget Spinner ereilte uns über das soziale Netzwerk Facebook. Eine Mutter warnte davor, dass sich vom Fidget Spinner ihres Kindes ein Kleinteil abgelöst und das Kind dieses verschluckt hatte. Das Kind rang um sein Leben. Der Fremdkörper steckte schon tief in der Luftröhre des Kindes und musste notoperiert werden, wie u. a. der Berliner Kurier hier berichtete. Im Artikel ist ein Röntgenbild zusehen, auf dem das verschluckte Teil des Fidget Spinners gut zu erkennen ist.

Der erste Gedanke: Dramatisch, aber leider kann so etwas in Einzelfällen vorkommen. Fast an jedem Spielzeug kann etwas kaputt gehen und es kann immer mal passieren, dass man ein “Montagsmodell” erhält, das eben nicht der üblichen Qualität entspricht. Bis dahin war zu hoffen, dass es genügen würde, Eltern und Großeltern nur an die Aufsichtspflicht zu erinnern, dass sie insbesondere Kleinkinder beim Bespielen des Fidget Spinners beaufsichtigen und nicht aus den Augen lassen. Doch die Warnungen zum Fidget Spinner Handkreisel mehren sich – leider müssen auch wir vor diesem Gadget ausdrücklich warnen!

Verschluckbare Kleinteile vom defekten Fidget Spinner
Plastikteile des Fidget Spinners fallen ab

Haltbarkeit Finger Twitter: 1 Stunde Bespieldauer – kaputt

Zwei baugleiche Modelle von ein- und derselben Marke am späten Nachmittag gegen 17 Uhr gekauft. Abzüglich der Zeiten von weiteren getätigten Einkäufen “überlebten” die beiden Fidget Spinner über den Daumen gepeilt jeweils etwa 1 Stunde Bespieldauer. Dann brachen die Verbindungsstege aus Kunststoff, die als Achse durch das vom Hersteller als “hochwertige Kugellager” ausgewiesene Metalllager verliefen. Resultat: Die beiden Kunststoffschalen, in denen man Daumen und Zeigefinger bettet, um den Fidget Spinner in Schwung bringen zu können fielen nach kurzer Zeit einfach auseinander.

Fidget Spinner in der Hand
Fidget Spinner zwischen Daumen und Zeigefinger: Beim Festhalten des Handkreisels wirken genau an dieser Stelle mehrere Kräfte ein, so dass eine bessere Materialqualität dringend notwendig wäre.

Es entzieht sich jedem technischen Verständnis, warum der Hersteller an diese Stelle einen Plastiksteg einsetzt, da gerade die Achse durch diverse einwirkende Kräfte stark belastet ist.

Der Hersteller warnt auf der Verpackungsrückseite:

“Achtung: Nicht für Kinder unter 36 Monaten geeignet. Kleine Teile. Erstickungsgefahr.”

Für die meisten Eltern ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Doch legitimiert dies Produzenten dazu, Produkte herzustellen, die nichtmals Minimalstanforderungen an Haltbarkeit erfüllen? Eine Bespielzeit von knapp einer Stunde zweier Teenager… Im konkreten Fall war es nur ärgerlich, für beide Fidget Spinner / Finger Twister jeweils knappe 3 Euro berappt zu haben. Teenager nehmen, anders als Kleinkinder im Alter von bis zu 36 Monaten und darüber hinaus glücklicherweise nicht mehr alles in den Mund. Das Risiko bewegte sich somit in einem moderaten Rahmen. Doch wie gefährlich sind solche Handkreisel für 37 Monate alte Kinder oder Kinder im Alter von 4 oder 5 Jahren, die immer noch viele Dinge in den Mund stecken?

Aufgrund der gemachten Erfahrungen müssen wir uns leider den Warnungen vor  Fidget Spinnern uneingeschränkt anschließen und des Weiteren einen weiteren Kritikpunkt zum Bedenken an die Hand reichen.

Weitere Warnungen sind auch im Focus nachlesbar. Hier geht es beispielsweise um Fidget Spinner mit LED, bei denen die Batterien zu leicht zugänglich sind.

Fidget Spinner: Umweltbelastung durch produzierten Plastikmüll

Von uns gekaufte Finger Twister wurden bereits am Samstag Abend, nur wenige Stunden nach dem Kauf beim Markeninhaber über das Kontaktformular der Website reklamiert. Eine Stellungnahme zum Sachverhalt wird seitens der Redaktion begrüßt, ist jedoch nicht geeignet, um die Meinung zum Finger Twister zu manipulieren. Innerhalb von 1 Stunde Spielzeit sind geschätzte 150 Gramm unbrauchbarer, vor allem gesundheitlich bedenklicher Plastikmüll zu Lasten der Umwelt entstanden.

Zwischen Reklamation und Artikelerstellung vergingen keine 2 Stunden, in denen es weitere Sachmängel zu beklagen gab. Weitere Teile, Wuchtgewichte innerhalb der 3 Barren, lösten sich. Wieder ein Grund zur berechtigten Beanstandung und ein Grund mehr, Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten vor diesem Gadget zu warnen, das wir keinesfalls als Spielzeug titulieren möchten.

Redaktionelles Fazit zum Fidget Spinner

Leider reichte die Lebensdauer der beiden gekauften Finger Twister nicht aus, um uns selbst einen Eindruck vom Spielspaß oder Mehrwert des Fidget Spinners machen zu können. Möglicherweise wirkt sich der Handkreisel entspannend oder ablenkend aus. Die Haltbarkeit von uns gekaufter Fidget Spinner lies es zum Bedauern aller nicht zu, uns davon einen Eindruck zu verschaffen.

Der gewonnene Eindruck reicht indes dazu aus, Eltern und Angehörige von Kindern davor zu warnen, den Fidget Spinner als für Kinder geeignetes Spielzeug zu betrachten. Der spielerische Unterhaltungswert für Kinder reichte gen 60 Minuten, um dann eher zur Besorgnis der Erwachsenen umzuschlagen. Wohlgemerkt bei Teenagern, die sich bei den Erwachsenen beklagten, dass das gerade erworbene “Spielzeug” sich in seine einzelnen Bestandteile aufgelöst. Kinder im Alter von 3, 4 oder 5 Jahren, motiviert von Erkundungs- und Entdeckerdrang, hätten womöglich anderes getan. Zum Beispiel die einzelnen Bauteile des Fidget Spinners auf Verschluckbarkeit getestet.

Fidget Spinner fällt auseinander
Fidget Spinner: Hier war die Platte für die Fingerkuppen schon abgebrochen – außerdem begannen nun auch die schwarzen Gewichte, sich aus dem Handkreisel zu lösen

Möglicherweise macht das Drehen des Fidget Spinners Spaß, insbesondere, wenn man Fidget Spinner Tricks beherrscht. Aufgrund der begrenzten Nutzungszeit von knapp einer Stunde kam es leider nicht dazu, sich irgendwelche Fähigkeiten hinsichtlich Tricks mit Fidget Spinner anzueignen. Gut herauskristallisiert hat sich jedoch die unmittelbare Gefahr, die von diesem Lifestyle-Gadget ausgeht. Verschluckbare Kleinteile lösen sich im “Nullkommanichts”, obwohl bei so einem Handkreisel man als Erwachsener nicht unbedingt davon ausgeht. Daran ändert auch eine Herstellung-Warnung auf der Rückseite der Verpackung nichts.

Aus unserer Sicht ist der Fidget Spinner keinesfalls als Spielzeug zu betrachten und gehört auch nicht in die Hände von Kindern unter 6 oder 7 Jahren. Die permanente (sic!) Beaufsichtigung ist definitiv solange erforderlich, bis sichergestellt werden kann, dass ein Kind nicht auf die Idee kommt, abgelöste Kleinteile in den Mund zu stecken.

Tipp zum Fidget Spinner: Nur als „Leihgabe“ an jüngere Kinder aushändigen

Kinder stehen auf den Fidget Spinner – fast in jedem Alter. Es ist schwierig, ihnen den Zugang zum Handkreisel vollständig zu verbieten, wenn jedes andere Kind damit „spielen“ darf und man überall mit dem Kreisel konfrontiert wird. Aus unserer Sicht stellt der Fidget Spinner für ältere Kinder keine Gefahr dar, für Kinder im Alter von bis zu 6 Jahren aber schon.

Erwachsene könnten den Fidget Spinner für sich selbst kaufen und dem Kind erklären, dass dies kein geeignetes Spielzeug für kleine Kinder ist. Aber Erwachsene können auch kleineren Kindern den Fidget Spinner ausleihen, wenn gleichzeitig die Beaufsichtigung sichergestellt ist und nach dem Spielen der Handkreisel unzugänglich weggepackt wird.

Sind teurere Fidget Spinner besser?

Das kann ich Ihnen nicht pauschal beantworten, da wir nur diese beiden Fidget Spinner haben. Befreundete Kinder, die auch teurere Handkreisel besitzen, beklagen jedoch auch, dass die Kreisel Auseinanderfallen – nur nicht nach ganz so kurzer Zeit. Meiner Ansicht nach sieht man es den Spinnern auch nicht an, ob sie hochwertig und robust verarbeitet sind, da die Schwachstelle hauptsächlich dort ist, wo die Platten für die Fingerkuppen das Innere des Spinners verdecken.

Überflüssig produzierter Plastikmüll

Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, dass Hersteller unter dem Begriff ‘Obsoleszenz’ ihren eigenen Produkten eine beschränkte Haltbarkeit zuweisen, um die Absatzzahlen für neue Produkte zu begünstigen. Inwieweit das auf hier betreffende Fidget Spinner / Finger Twister zutrifft, vermögen wir nicht zu wissen. Es mutet jedoch an, dass die von uns gekauften Handkreisel bewusst billig produziert wurden, um der unbezweifelten Produktnachfrage schnellstmöglich gerecht werden zu können. Qualität und hochwertige, gleichsam wertige Produktfabrikation schien bei der Herstellung niemand, erst recht nicht die Hersteller / Vertreiber-Marken, zu interessieren. ‘Hauptsache verkauft’, schien das Credo bei den von uns erworbenen Fidget Spinnern gewesen zu sein. Eine von uns erhobene, berechtigte Meinung, auf Erfahrung basierend.

Ein bislang wenig beachteter Aspekt: Fidget Spinner, die offensichtlich auf Verkauf, nicht aber auf Haltbarkeit abzielen, stellen unnützen und vermeidbaren Plastikmüll dar, auf den man – wir alle – angesichts der als bekannt vorausgesetzten Verseuchung der Weltmeere mit Plastik verzichten will und sollte. Insofern man Fidget Spinner als Spielzeug betrachten wollte, sollte zumindest ein gewisser Nutzen daraus hervorgehen. Zum Beispiel großer Unterhaltungswert. Bei einer Haltbarkeit von ca. 1 Stunde ist davon nicht auszugehen. Insofern können wir uns den Warnungen vor Fidget Spinnern nur anschließen – Finger weg. Es gibt deutlich besser geeignetes Kinderspielzeug! Mehr Infos finden Eltern auch hier.

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