Kleine Kinder scharfe Messer

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Kinder lernen, wie man ein Messer richtig hält
Kinder lernen, wie man ein Messer richtig hält

Wenn Kinder beim Kochen helfen wollen

Uns Eltern stellt sich immer die Frage, ab wann kleine Kinder scharfe Messer benutzen dürfen. Einerseits möchte man seine Kinder zur Selbständigkeit erziehen, andererseits ist es unser Wunsch, zugleich unsere Pflicht, aufzupassen, dass sich die Kids nicht verletzen. Doch gerade Küche, Haushalt und scharfe Küchenmesser bieten reichlich Gefahren, vor denen es die Kleinen zu schützen gilt. Wir möchten uns deshalb der überaus wichtigen Frage annehmen und das Thema erörtern. Im Vorfeld gab es zu dieser Thematik eine kontrovers geführte Besprechung, die letztlich doch zu einem gemeinsamen Nenner geführt hat. Als Eltern sind wir uns einig, dass durchaus auch Zwei- und Dreijährige schon in der Küche, beim Kochen und bei anderen Arbeiten im Haushalt helfen können, jedoch immer mit dem notwendigen Auge eines Erwachsenen, der für die Sicherheit des Kindes sorgt. Wie das geht? Lesen Sie.

Alter und Reife der Kinder entscheidend

Um eine gemeinsame Ausgangsbasis für diesen Artikel zu setzen, möchten wir vorab darauf hinweisen, dass es kein „richtiges Alter“ gibt, ab wann ein Kind in Küche und Haushalt welche Aufgaben erledigen kann und darf. Da ein Kind jedoch über zwei wesentliche Dinge verfügt, Neugier und Hilfsbereitschaft, sollten Erwachsene diese beiden wunderbaren Eigenschaften zulassen und fördern.

Sicher fühlt sich auch schon ein kleines Kind denkbar unwohl, wenn es gerne helfen möchte, aber nicht darf. Es ist nur eine Frage der Zeit und der Häufigkeit, wie lange ein Kind noch hilfsbereit sein möchte, wenn seine Hilfsbereitschaft immer abgewiesen wird. Zudem erziehen Sie sich ein verwöhntes und vielleicht auch faules Kind, wenn es nie mithelfen darf und auch soll.

Aus diesen beiden Gründen ergibt sich, dass Kinder durchaus helfen können und sollen – jedoch immer gemessen an dem individuellen Alter und Reifegrad. Selbst die Allerkleinsten können bereits beim Kochen helfen, jedoch muss zunächst geübt werden, wie man mit einem Messer umgeht. Damit es keine Verletzungen gibt, fangen Sie ruhig schon bei einem Zwei- und dreijährigen Kind an, wenn es Interesse hat. Allerdings lassen Sie es in diesem Alter niemals scharfe Küchenmesser verwenden, sondern ein Kindermesser, das nicht scharf ist. Solange ein Kind noch so klein ist, wird es sich damit zufrieden geben, wenn es mit einem Plastikmesser (z. B. von einer Kinderküche) mitwerkeln darf.

Damit Ihr Kind jedoch den verantwortungsbewussten Umgang mit solchen „Küchengerätschaften“ in sich manifestieren kann, erklären Sie ihm, dass es mit dem Kindermesser „schneiden“ darf, aber dass Ihr echtes Messer für Kinder tabu ist. Wichtig ist, dass das Kind den Unterschied beider Kochmesser kennt. Zeigen Sie ihm aber dennoch, wie der richtige Umgang mit dem Kochmesser funktioniert – aber natürlich mit dem ungefährlichen Spielzeugmesser.

Nehmen Sie die Kinderhand, die das Kochmesser umschließt in Ihre Hand und zeigen Sie Ihrem kleinen Jungkoch, wie Schneiden funktioniert. Kinder sind stolz, wenn Sie gelobt werden. Also loben Sie es, wenn es den richtigen Dreh raus hat, korrigieren Sie es, wenn nicht richtig geschnitten wird. Loben Sie niemals falsches Schneiden, denn sonst erkennt das Kind den Unterschied nicht.

Messer am Holzbrett abstreifen
Messer am Holzbrett abstreifen

Zum ersten Mal ein scharfes Messer

Keinesfalls sollten Sie Ihrem Kind ein scharfes Santokumesser in die Hand geben, sobald es mit dem Spielzeugmesser gut umgehen kann. Nur Übung macht den Meister. Nachdem Ihr Kind zeigt, dass es sich an vereinbarte Regeln beim Umgang mit dem (Spielzeug-)Messer zuverlässig hält, sollten Sie es an ein Kindermesser heranführen.

Dieses ist wie ein gewöhnliches Besteckmesser, jedoch nicht allzu scharf. Nun kann das Kind damit sein Brot schneiden, die Wurst, den Käse, ein Apfel und dünne Karotten- oder Gurkenscheiben. Bei dem speziellen Kinderbesteck ist die Verletzungsgefahr äußerst niedrig und als Mama oder Papa können Sie das Kind mit gutem Gewissen und unter Aufsicht bereits aktiv beim Kochen helfen lassen. Kartoffelscheiben, anderes, nicht zu hartes Gemüse, gekochte Eier usw. kann das Kind nun kleinschneiden und so weiter den Umgang mit Messern sicher erlernen.

Ebenfalls können Sie Kinder im Haushalt mitwerkeln lassen. Nach dem vielen Gemüseschneiden darf das Kind sein eigenes Messer und das Brettchen in die Spülmaschine räumen, später auch wieder ausräumen. Achten Sie dann aber unbedingt darauf, dass keine scharfen Küchenmesser oder ähnliches im Besteckkorb sind. Selbst Erwachsene verletzen sich häufig, weil eine Messerspitze nach oben aus dem Besteckkorb ragt. Da gerade kleine Kinder gerne ihre Eltern beim Haushalt und in der Küche unterstützen, können Sie Ihre Kids natürlich auch an anderen Arbeiten im Haushalt teilhaben lassen. Gemüsewaschen, Boden fegen, Kissen ausschütteln, Waschmaschine befüllen und ausräumen, Wäsche aufhängen – das sind alles Arbeiten, wo Kleine liebend gern mit dabei sind.

Messer immer an einer Kante abstreifen
Messer immer an einer Kante abstreifen

Scharfe Messer in Kinderhände – JEIN!

Hat ein Kind Übung im Umgang mit nicht allzu scharfen Messern, kann man es durchaus auch mit einem schärferen Messer helfen lassen. Grundvoraussetzung ist es, dass das Kind geübte Sicherheit und Zuverlässigkeit im Umgang mit Messern aufzeigt. Der Übergang von einfachen Messern zu einem scharfen Küchenmesser muss auf jeden Fall sorgfältigst abgewogen werten.

Lieber etwas später als zu früh erlauben, beim Kochen mit einem Profimesser mitzuhelfen. Einiges spricht sogar dafür, einem Kind unter Aufsicht zu erlauben, scharfe Küchenmesser zu verwenden. Je bewusster es dem Kind ist, wie scharf ein Kochmesser wirklich ist, desto vorsichtiger und respektvoller wird es damit umgehen. Scharfe Küchenmesser schneiden besser, als weniger schaKinder lernen, wie man ein Messer richtig hältvrfe. Ein Kind muss deshalb weniger Druck anwenden und somit liegt auch die Gefahr, sich aus Versehen zu schneiden niedriger. Damit der Umgang mit den Küchenmessern gefahrlos bleibt, folgen nun noch einige Tipps.

Grundsätzlich wird ein Holzbrett als Schneidunterlage verwendet, dies verhindert das Wegrutschen des Lebensmittels. Die Enden der Lebensmittel werden von den Erwachsenen geschnitten, weil sie sich nicht mehr gut festhalten lassen. Das Messer muss immer mit der Klinge vom Körper weggehalten werden. Herumlaufen, zappeln und stehen sind beim Schneiden tabu. Während dem Schneiden wird das Kochmesser schräg angesetzt, so dass die Klinge von den Fingerspitzen weg zeigt. Die Fingerkuppen der Lebensmittel haltenden Hand werden nach innen eingezogen, so dass sie unterhalb der Handoberfläche sind. Die nach vorne stehenden Knöchel der Hand, die das Lebensmittel hält, dienen als Führung des Messers.

Die Messerklinge wird nie über die Hand gehoben, sondern bleibt immer an der Führhand angelegt. Wird das Schnittgut mit dem Messer vom Schneidbrett geschoben, zeigt die Klinge immer vom Körper weg. Anhaftende Reste werden die mit den Fingern, sondern allenfalls am Schüsselrand abgestreift. Damit das Kochmesser sich gut an die Führhand anlegen lässt, sollten Sie ein Japanmesser verwenden. Ein Santokumesser hat eine sehr hohe Klinge, die ideal ist, um an der Führhand großflächig anzuliegen.  Ein weiteres Messer, mit dem geübte Kinder ebenfalls sehr gut zurecht kommen, ist das Keramikmesser für Obst & Gemüse. Diese verfügen gleichfalls über eine hervorragende Schärfe.

Niemals Kinder mit Messer alleine lassen

Wichtig: Denken Sie bitte daran, dass Sie als Erwachsener für den sicheren Ablauf massgeblich verantwortlich sind. Lassen Sie Ihr Kind mit keinem Messer unbeaufsichtigt – auch nicht „nur“ einen klitzekleinen Moment. Dies gilt nicht nur für scharfe Kochmesser, sondern auch für Gabeln und andere spitze Gegenstände. Kinder können beim Kochen, in der Küche und im Haushalt helfen, wenn sie geübt sind und sich an die von Ihnen aufgelegten, strengen Regeln zuverlässig halten. Für die Fotos dieses Artikels hat uns übrigens ein 8-jähriges Mädchen unterstützt. Sie hat von klein auf den verantwortungsbewussten Umgang mit Küchenmessern wie zuvor beschrieben erlernt und ist inzwischen eine kleine Meisterin im Schnippeln von Gemüse und Obst. Doch trotz ihres beeindruckenden Könnens gilt auch für unsere kleine Meisterköchin: nie ohne akribische Aufsicht durch Erwachsene.

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